Sprache ist Macht: Bericht zum Wettbewerb “Mehr Sprachen – mehr WIR“ 2025

Als im Herbst im Englischunterricht die Einladung zum bundesweiten Wettbewerb „Mehr Sprachen – mehr WIR“ vorgestellt wurde, war mir sofort klar: Ich möchte mitmachen!

Unter Herrn Poeppels Anleitung nahm ich meine erste zweisprachige Rede auf – auf Deutsch und Englisch – zum Thema „In Frieden leben“. Die Herausforderung bestand nicht nur darin, Inhalte in zwei Sprachen fließend miteinander zu verknüpfen, sondern sie auch überzeugend in einem Video zu präsentieren.

Einige Wochen später erhielt ich die erfreuliche Nachricht: Ich hatte es in die zweite Runde geschafft. Für diesen nächsten Schritt bereitete ich eine weitere Rede vor – diesmal zum Thema Einsamkeit. Besonders hilfreich war dabei das Online-Rhetoriktraining mit der Rhetorik-Trainerin Julia Lemmle, das allen Qualifizierten angeboten wurde. Der Druck wuchs dennoch – denn von über 60 Teilnehmenden, die es in die zweite Runde geschafft hatten, sollten nur 15 ins Finale nach Berlin eingeladen werden – jeweils fünf aus drei Altersgruppen. Als dann auch noch technische Schwierigkeiten beim Hochladen meines Videos auftraten, war die Nervosität komplett. (An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Herrn Poeppel, der sich trotz allem die Zeit nahm, das Problem zu lösen.)

Umso größer war die Freude, als schließlich die E-Mail kam:

„Herzlichen Glückwunsch, Karin! Deine Rede gehört zu den fünf besten in deiner Altersgruppe – du bist im Finale!“

So saß ich am Freitag, den 16. Mai, mit meiner Begleitperson im ICE nach Berlin – statt wie gewohnt im Klassenzimmer. Trotz einer Verspätung von ca. 40 Minuten kamen wir rechtzeitig zum gemeinsamen Mittagessen mit allen Finalisten an. Danach nahmen wir an einem weiteren Rhetorik-Workshop mit Julia Lemmle teil. Dort hatte ich erstmals Gelegenheit, alle anderen Teilnehmenden kennenzulernen – und spürte sofort: Jeder Einzelne hatte diesen Platz mehr als verdient.

Am Nachmittag folgte eine exklusive Führung durch das Bundeskanzleramt – ein weiteres Highlight – und abends ließen wir den Tag gemeinsam beim Abendessen ausklingen. Es war schön, sich nicht als Konkurrent*innen, sondern als Verbündete in der Begeisterung für Sprache und Ausdruck zu erleben.

Der Wettbewerbstag begann früh, eröffnet durch unterhaltsame Begrüßungsworte des Moderators Sherif Rizkallah. Da ich zur ältesten Altersgruppe gehörte, musste ich trotzdem geduldig warten, bis ich meine Rede – die aus der zweiten Runde – halten durfte. Doch das Zuhören allein war schon ein Erlebnis: Jede Rede war einzigartig, durchdacht, emotional- und zweisprachig auch noch dazu.

Mir wurde schnell klar: Dies war kein Wettbewerb im klassischen Sinn.

Es ging nicht nur ums Gewinnen – es ging darum, mit Worten zu berühren, etwas zu sagen zu haben und gehört zu werden. Jedes Kind auf dieser Bühne hatte eine Botschaft, die es mit Leidenschaft teilte.

Dass ich am Ende nicht den ersten Platz belegte, trat völlig in den Hintergrund. Ich durfte Teil einer Gemeinschaft junger, engagierter Redner*innen sein, mein Können unter Beweis stellen, neue Kontakte knüpfen und überdies wertschätzendes Feedback der Jury zu meinem Beitrag erhalten.

Wettbewerbe wie dieser zeigen, wie machtvoll Sprache ist – und wie wichtig es ist, sie bewusst und mutig zu nutzen. Denn das ist der eigentliche Gewinn.

Karin Chao – Q12