P-Seminar Kunst: PAPER LIGHTS

Papier – es ist uns so vertraut, dass wir es oft kaum noch wahrnehmen. Es dient als Träger von Ideen, als Medium für Botschaften, als alltägliches Werkzeug. Doch die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars Kunst haben sich nicht mit der überlieferten Rolle des Papiers zufriedengegeben. Sie haben es vielmehr hinterfragt, untersucht, zerlegt und neu zusammengesetzt. Sie haben Papier nicht nur als zweidimensionalen Träger erfahren, sondern als Material mit unendlichen Möglichkeiten zur Veränderung, zur Formung und zur Transformation.

Um sich diesem vielfältigen Werkstoff anzunähern, wurden zunächst außerschulische Partner zu Rate gezogen. So erfuhr das P-Seminar von der Künstlerin Stefanie Kraut, wie man Papier zu aussagekräftigen und konzeptionellen Kunstwerken transformieren kann. In einem Workshop mit Elisabeth Zelck konnten die Schülerinnen und Schülern von der Buchbinderin verschiedene Verarbeitungstechniken kennenlernen und unter ihrer Anleitung selbst ein kleines Buch herstellen. Schließlich ermöglichte es ein Besuch bei Papierschöpfer Klaus Wengenmayr herauszufinden, wie man Papier selbst herstellt und welche Zusatzstoffe man dabei als Gestaltungsmittel verwenden kann: Blattgold, Elefantendung oder ein Glas Whiskey machen handgeschöpfte Papiere in seiner Manufaktur zu echten Unikaten.

Nachdem der Werkstoff aus unterschiedlichen Perspektiven exploriert wurde, entstand der Animationsfilm „PAPER THIRST“, der sich kritisch mit dem Thema des Wasserverbrauchs bei der Papierherstellung auseinandersetzt. Mit Papieren und Verpackungsmaterial wurden kleine Stop-Motion-Animationen erstellt, die zusammen mit einer informativen Textebene und dem passenden Sound eine eindrückliche Video-Installation ergeben, die nicht zuletzt auch eine Schnittstelle von analogem und digitalem Arbeiten darstellt.

Schließlich erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges, künstlerisches Thema: PAPER LIGHTS. So entstanden in Kleingruppen Kunstwerke, die die Wechselwirkung von Papier und Licht reflektieren und unterschiedliche Möglichkeiten der künstlerischen Annäherung aufzeigen. Von poetischen Pop-Up-Büchern über modulare Lampensysteme bis hin zu Überlegungen, wie man Alltagsmaterialien aus Papier zu Leuchtkörpern transformieren kann. Als Abschluss der künstlerischen Forschungsarbeit entstand eine kleine Ausstellung, die zahlreiche Besucher des Diesel-Fests in ihren Bann zog. Selbstgestaltete Informationsplakate rundeten die Kunstwerke ab und machten den Kreativprozess der jeweiligen Gruppe transparent nachvollziehbar.

Manuel Rigel