Dolmetscherin des Europäischen Parlaments zu Besuch am RDG

Die zehnten Klassen bekamen am 27. und 28. Mai Besuch von der Parlamentsdolmetscherin Frau Xenia Kommer, die selbst Schülerin am RDG war und 1994 hier Abitur machte mit den Leistungskursen Deutsch und Französisch, weil ihr Sprachen und Literatur so sehr am Herzen lagen. Studium und Ausbildung führten sie dann zum Beruf der Simultandolmetscherin und sie fand einen der besten Arbeitsplätze dafür – das Europäische Parlament! 

Frau Xenia Kommer beherrscht sechs Fremdsprachen, darunter neben typischen europäischen Sprachen auch Rumänisch und Griechisch. Am EU-Parlament zu arbeiten sei fantastisch, weil es da lebendig zugehe, man von allen politischen Bereichen etwas mitbekomme und man ganz viele Menschen unterschiedlicher EU-Nationen kennenlerne, meint Xenia Kommer selbst. Man nimmt ihr das sofort ab, da sie selbst eine Begeisterung für die EU, insbesondere für die parlamentarische Arbeit und ihren Beruf des Dolmetschens ausstrahlt und dies auch vermittelt. 

Mit Hilfe einiger anschaulicher Folien illustriert Xenia Kommer ein paar kurzweilig gestaltete einführende Informationen zur EU und zu ihrem Arbeitsalltag, der natürlich in typischen Dolmetscherkabinen stattfindet, sie aber auch als Begleitung von Parlamentariern in die EU-Länder ihrer Sprachen führt, um vor Ort zu dolmetschen. Im Übrigen wird von Xenia Kommer betont, dass sie dolmetscht, nicht übersetzt, was streng genommen der schriftliche Part ist und Übersetzerin bzw. Übersetzer ein anderer Beruf als Dolmetscherin bzw. Dolmetscher ist. 

Im Austausch mit den Schülerinnen und Schülern und auf deren Fragen antwortend kommen viele Einzelheiten zur Sprache, sodass das junge Publikum viel erfährt aus dem Alltag des EU-Parlaments und des Dolmetscherberufes: Die EU-Parlamentarier arbeiten die meiste Zeit in Brüssel und einmal im Monat reisen sie nach Straßburg für eine Woche, wo die großen Plenumsdebatten stattfinden mit allen 720 Abgeordneten, die sich in übernationalen Fraktionen nach Parteiähnlichkeiten zusammengeschlossen haben. Die EU hat 24 offizielle Amtssprachen; jede und jeder Abgeordnete hat grundsätzlich das Recht auf ihre bzw. seine Sprache, die für alle anderen gedolmetscht werden muss. Das bedeutet, dass es neben eher gängigen Dolmetschersprachen, wie z.B. Englisch, Spanisch, Deutsch, auch z.B. Lettisch, Maltesisch, Slowakisch gibt, da prinzipiell jede Sprache in jede andere gedolmetscht werden muss. Sollte nun der Fall eintreten, dass ein Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP) in einer Sprache redet, die z.B. nur sehr wenige Personen in der EU sprechen und evtl. genau dazu gerade kein Dolmetscher ins Deutsche hin da ist, dann geht man einen kleinen Umweg: Frau Kommer hört sich parallel z.B. die englische, französische oder spanische Version an und dolmetscht davon ausgehend dann ins Deutsche. Besonders herausfordernd für die Dolmetscherinnen und Dolmetscher sei, so Xenia Kommer, wenn die Sprecherin bzw. der Sprecher einen Dialekt spricht; so seien z.B. – vor dem Brexit – schottische Abgeordnete eine Herausforderung gewesen und Kolleginnen und Kollegen von Frau Kommer stöhnen ab und zu über deutsche MdEP, die zum Beispiel in tiefem Schwäbisch oder Sächsisch sprechen. Dennoch – meint sie – sei auch das am Ende amüsant und irgendwie charmant.  

Der Besuch von Xenia Kommer hat die Schülerinnen und Schüler für einen Moment „nach Europa" entführt und ihnen dabei mit viel Herz auch den Wert dieser Europäischen Union nähergebracht.  

 Cornelia Arend