Das Leistungsfach Geschichte besucht das Staatsarchiv in Augsburg

Am 13.März dieses Jahres konnten wir als Leistungsfach Geschichte das Staatsarchiv in der Nähe der Universität Augsburg besuchen. Als Erstes bekamen wir eine kurze Führung, wobei uns ein paar grundlegende Fakten zum Archiv genannt wurden und wir dann die verschiedenen Bereiche kennenlernen durften.
Besonders erstaunlich fanden wir die große Menge an Archivalien und deren Vielfalt. Schon bei der Führung durften wir historische Urkunden von vor über 300 Jahren genauer begutachten, was wir sehr spannend fanden. Außerdem erfuhren wir, dass man als Privatperson nur mit einem begründeten Anspruch die Möglichkeit hat, die Archivalien einzusehen, wodurch uns bewusst wurde, wie einmalig der Besuch dort ist.
Alle Teilnehmer unseres Kurses fanden den zweiten Teil unseres Besuches am spannendsten. Wir bekamen nämlich Aufzeichnungen zur erfolgten sog. “Arisierung” aus der Zeit des Nationalsozialismus, also den 1930er Jahren, sowie von bundesrepublikanischen Behörden aus den 1950er und 1960er Jahren vorgelegt, die wir eigenständig sichten durften. Anhand der Archivalien konnten wir unterschiedliche Fallbeispiele aus dem Leben einzelner jüdischer Personen aus Augsburg bzw. Schwaben rekonstruieren. Wir erkannten die zynische Parallele von behördlich minutiösem, scheinlegalem Vorgehen bei der gänzlich willkürlichen Enteignung jüdischen Eigentums – ein großangelegter Raub des jüdischen Vermögens, begangen aus menschenverachtendem Beweggrund. Aus den Akten der Nachkriegszeit konnten wir die umfassenden Bemühungen ermitteln, wie ein Rechtsstaat, hier die Bundesrepublik Deutschland, alles versuchte, um Recht und Gerechtigkeit – soweit es ging – wiederherzustellen.
Bei unseren Recherchen stellten wir fest, wie komplex die Sachverhalte sind und wie lange es dauert, sich erst einmal einen groben Überblick zu verschaffen, vor allem aufgrund von verloren gegangenen Unterlagen oder auch aufgrund Nicht-Lesen-Könnens alter Handschriften. Nachdem wir die juristischen Fälle sortiert und schließlich verstanden hatten, hätten wir gerne noch mehr über die Lebensgeschichten der erwähnten Personen erfahren. Wir ertappten uns dabei, aus Neugier mehr im Archiv stöbern und nachforschen zu wollen. Es hatte uns tatsächlich ein detektivischer und historischer Tatendrang gepackt, wobei wir gar nicht bemerkt hatten, wie viel Zeit schon vergangen war.
Zum heiteren Abschluss unseres Archivbesuchs wurden uns alte Jahresberichte und Abizeitungen unserer Schule zur Verfügung gestellt. Wir konnten somit die Geschichte des Rudolf-Diesel-Gymnasiums bis in die 1970er Jahre zurückverfolgen. Dabei begutachteten wir amüsiert auch alte Fotos unserer jetzigen Lehrer und konnten auch einige uns bekannte Gesichter entdecken, die vor vielen Jahren ebenfalls unsere Schule besucht hatten.
Wir erlebten einen spannenden Vormittag im Staatsarchiv, der vielseitig und überraschend abwechslungsreich war. Durch den Besuch lernten wir die historische Arbeit noch einmal ganz anders kennen.
Florian Kothmeir, Johanna Benz

